Viele Hunde geraten bei lauten Geräuschen in Panik. Dagegen kannst du jedoch durchaus etwas tun.
- Wenn dein Hund noch keine Angst hat, kannst du verhindern, dass er Geräuschängste entwickelt.
- Wenn dein Hund schon Angst haben sollte, kannst du ihm dabei helfen, dass diese nicht ganz so heftig ausfällt und sich nicht verschlimmert.

 

Strategie 1: Management
Das allerwichtigste ist das optimale Management: probiere so gut wie möglich, zu verhindern, dass dein Hund die Knallerei überhaupt hört. Bleibe keinesfalls mit deinem Hund Zuhause, wenn ihr an einem Ort lebt, an dem sehr lange und laut Feuerwerkskörper zu hören sind. Wenn du nicht 1-2 Tage verreisen kannst, gibt es einen anderen Trick: du kannst mit deinem Hund zur kritischsten Zeit eine Ausfahrt auf der Autobahn machen und das Autoradio laut spielen lassen. Der Lärm des Verkehrs und des Radios verhindern, dass dein Hund allzu viel von den 1. August – Feierlichkeiten mitbekommt (natürlich nicht gerade ökologisch – aber am 1. August fällt dies leider eh nicht mehr ins Gewicht).
Wenn du es riskieren kannst, Zuhause zu bleiben, solltest du unbedingt alle Fensterläden schliessen (denn auch die Lichter können deinen Hund ängstigen) und selber für möglichst ununterbrochene Geräuschuntermalung sorgen. Sehr gut geeignet sind dazu Musikrichtungen bzw. Geräuscharten, die das Knallen überdecken. Wenn dein Hund z.B. schon an Rockmusik oder andere Musikrichtungen mit Bass gewöhnt ist, kannst du diese abspielen oder so genannten „White noise“ (findest du z.B. auf youtube). Eine ebenfalls sehr wirksame Möglichkeit ist es, den Tumbler mit einigen Tennisbällen zu füllen und laufen zu lassen – das verursachte Geräusch ist für die meisten Hunde nicht beängstigend, da es rhythmisch ist und sorgt aber dafür, dass deinem Hund die Knaller wesentlich weniger auffallen (diese Methode solltest Du möglichst schon im Voraus mal ausprobieren) oder auch einen Ventilator laufen zu lassen.
Wenn dein Hund noch nicht an solche Musik/Geräuschüberdeckung gewöhnt ist, solltest du die weniger riskante Variante wählen und klassische Musik abspielen.
Richte für deinen Hund zudem einen möglichst abgedunkelten Rückzugsort ein, evt. sogar im Keller, damit vom Feuerwerk möglichst wenig zu hören und zu sehen ist. Dazu kannst du z.B. eine Hundeboxe einsetzen, über die du eine Decke legst. Neben der Hundeboxe kannst du einen Pheromonstecker einstecken oder du kannst die Boxe mit einem Pheromonspray einsprühen. Ansonsten kannst du auch eine verdünnte Lavendelessenz (wirklich nur ganz wenig, nur 1-2 Tropfen, wirkt sonst ätzend auf die empfindlichen Nasenschleimhäute deines Hundes) auf die Decke über der Boxe träufeln.

 

Strategie 2: Gib deinem Hund etwas zu tun!
Überlasse deinen Hund keinesfalls sich selbst, sondern sorge dafür, dass er Beschäftigung hat.

Dies hilft dabei, dass ein Gehirnteil aktiviert wird, der das Aufkommen von Angst unterdrücken kann.
Am besten geeignet sind Futtersuchspiele, bei denen dein Hund seine Energien darauf verwenden kann, an das Futter zu kommen.

Du kannst dazu im Fachhandel verschiedene Spielzeuge kaufen wie Futterbälle, Futterwürfel, etc., die dein Hund über den Boden kullern kann und dadurch an die Leckerchen kommt. Ebenfalls sind „Schnüffeldecken“ ideale Beschäftigungsmöglichkeiten, die deinen Hund eine ganze Weile von der Angst ablenken können.
Du kannst aber auch selber kreativ werden und Kartonrollen mit Küchenpapier und Leckerchen füllen, so dass dein Hund eine Weile mit „Auspacken“ beschäftigt ist.
Ausgezeichnet geeignet sind auch Kongs, die du z.B. mit einem TL Erdnussbutter (wirkt beruhigend), Dosenfutter und Joghurt füllen kannst.

Kongs kannst du sogar einfrieren, damit es länger dauert, bis dein Hund alles Futter herausgearbeitet hat.
Bereite genügend Beschäftigungsmöglichkeiten vor und gib deinem Hund diese wirklich nur, wenn man erste Geräusche hört. Ist dein Hund sehr ängstlich, solltest du eine Beschäftigungsmöglichkeit wählen, bei der er schnell zum Futter kommen kann (z.B. eine Schnüffldecke). Probiere es aus und richte dich ganz nach den Reaktionen deines Hundes.


Strategie 3: Lass die Knaller zur Ankündigung von etwas besonders Tollem werden
Sobald ein Knaller zu hören war, beginnst du sofort mit einem Zerrspiel mit deinem Hund.

Ohne Abzuwarten, ob ihm das Knallen vielleicht doch nichts ausmacht.

Beginne gleich, das Knallen mit einem tollen Spiel zu verknüpfen.

Ist kein Knall zu hören, wartest du einfach ab und erst beim nächsten Knall geht das Zerrspiel wieder los.

Ein Zerrspiel ist ideal, um deinem Hund dabei zu helfen, nicht in Panik vor den Knallern zu verfallen.

 

Hat dein Hund noch nicht gelernt, mit einem Zergel zu spielen, ist das für dieses Mal keine Alternative.

Verwende stattdessen ein Leckerchenwurfspiel für deinen Hund: sobald es knallt, wirfst du ein extra grosses und tolles Leckerchen für ihn.
Und wenn du mehrere Hunde hast, kannst du alternativ nach jedem Knaller jeden je einen Schleck aus einer Tube „Le Parfait“ nehmen lassen.


Notfall-Lösung:
Eierlikör. Ihr stuzt? Ja, Alkohol ist Gift. Aber es kommt auf die Menge an.

Ein schöner Artikel zu Silvester (weiter unten auch eine Mengenangabe für die Gabe von Eierlikör) findet Ihr hier.

 

Oder hier der Ausschnitt daraus:

Wie soll der Eierlikör bzw. der Alkohol dosiert werden? Ich gebe hier (ohne Gewähr, Anwendung auf eigene Verantwortung!) mal eine leicht verständliche Anleitung:

Gewicht des Hundes bis 25 kg:
Körpergewicht in kg x 0,4 x 100 / Prozent des Alkohols = Gesamtmenge des zu verabreichenden alkoholischen Getränks in ml.


Gewicht des Hundes von 26 kg bis 50 kg:
Körpergewicht in kg x 0,3 x 100 / Prozent des Alkohols = Gesamtmenge des zu verabreichenden alkoholischen Getränks in ml.


Gewicht des Hundes ab 50 kg:
Körpergewicht in kg x 0,2 x 100 / Prozent des Alkohols = Gesamtmenge des zu verabreichenden alkoholischen Getränks in ml.


Die errechnete Gesamtmenge des zu verabreichenden alkoholischen Getränks bitte immer auf 2-3 Portionen im Abstand von ca. 2 Stunden aufteilen, so dass die letzte Gabe vor dem Höhepunkt der Knallerei um ca. 23.30 Uhr erfolgt.

Beispiel: Ein 15 kg schwerer Hund bekommt einen 20%igen Eierlikör nach folgender Empfehlung: 15 (Körpergewicht) x 0,4 x 100 / 20 (Alkoholanteil des Eierlikörs) = 30 ml Eierlikör. Davon einen Esslöffel (ca. 15 ml) 21.30 Uhr und einen weiteren um 23.30 Uhr.

Diese Anleitung bzw. Empfehlung beruht auf Erfahrungswerten und stellt keine tiermedizinische Dosierungsanleitung dar.

 


Wichtig:
Seid für Eure Hunde da. Früher hat man empfohlen, die Hunde bei Angst zu ignorieren. Das sieht man inzwischen anders.

Wenn Euer Hund zu Euch kommt und körperliche Nähe sucht, dann gebt sie ihm!


Wir wünschen Euch einen möglichst Stress freien Rutsch ins neue Jahr!
Euer Team vom Knottenwäldchen

BHV – Berufsverband der Hundeerzieher

BHV

Die Hundeschule vom Knottenwäldchen ist Mitglied im BHV Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater.

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